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Grosse Ehre für Louis van der Haegen

21/04/2016

SWISS BLUES LIFETIME ACHIEVMENT AWARD

Die Jury des SWISS BLUES AWARD wählte Louis van der Haegen, Präsident des Verein Blues Festival Basel, Aesch BL, für den dritten SWISS BLUES LIFETIME ACHIEVMENT AWARD - nach Claude Nobs (2012) und Guido „Mojo“ Schmidt (2014).

 

Louis van der Haegen ist seit der Gründung des Blues Festival Basel (2000) Präsident des Vereins Blues Festival Basel BFB und war, mit Ernst Mutschler zusammen, Vizepräsident (musikalischer Leiter) des Summerblues Basel (Glaibasler Bluesfescht) und zwar vom der ersten bis zur fünften Durchführung. 20 Jahre lang war er Präsident des sehr erfolgreichen Jazzclub Aesch/Pfeffingen JAP. Er ist aber auch seit 16 Jahren Musikchef beim Jazz-Weekend in der Stadt Reinach BL. Vor vielen Jahren leitete er in Luzern bereits einen Jazzclub und holte Kid Ory, Sidney Bechet und Albert Nicholas ins Kunsthaus. Nach Ernst Mutschler hat Louis van der Haegen im Jahre 2002 die „Goldene JAP-Note“ erhalten, eine ehrenvolle Auszeichnung für besondere Verdienste um die Förderung des Jazz. Nach Sam Burckhardt durfte Louis van der Haegen den begehrten „Swiss Blues Award 2009“ entgegen nehmen. 2011 ernannte ihn die Generalversammlung des Jazzclub Aesch/Pfeffingen JAP zum Ehrenpräsidenten.

 

Weltweites Beziehungsnetz

AMit grossem Elan machte er viele Jahre das exklusive Management für den Weltstar Othella Dallas, für die „the CHICAGO DAVE BLUES BAND“, the Voice Heinz Flückiger und für das junge Talent auf dem modernen Alphorn Eliana Burki. Das Management für Othella Dallas und Eliana Burki hat er seiner Tochter Astrid van der Haegen abgegeben. Weiterhin vermittelt Louis gerne gute Blues- und Jazzbands, denn er hat ein weltweites Beziehungsnetz. Die bekannte Alphornspielerin Eliana Burki komponierte den „Blues for Louis“ (CD Heartbeat 2008, Suonix LC 16099) und der in Chicago lebende Saxophonist Sam Burckhardt den Titel „For Louis“ (CD Bobolink 2011, Airway Records AR 4766).

Abgekoppelt von der medialen Wahrnehmung in Europa

21/04/2016

Auf den Spuren von Blues, Rock, Pop und Co. (3. Teil)

In unserer April-Ausgabe blickten wir blicken mit Willy Surbeck hinter die acht Betriebsgeheimnisse des Blues. Im dritten und letzten Teil der Artikelserie geht der Autor der Frage nach, warum die Eckpunkte der R’n’B-Musik in Europa praktisch unbekannt sind.

 

Willy Surbeck

 

Man darf sich fragen, weshalb wir das so noch nie gehört haben. Antwort geben Geschichte und Geschäftsmentalität der Engländer in Amerika. Nie konnte England die Stadt New Orleans, über drei Jahrhunderte wichtigster Umschlagplatz für Güter und Menschen in Nordamerika, den Franzosen und Spanier entreissen. Zwar besiedelten und beherrschten die Kolonialherren aus England schon um 17. Jahrhundert die Staaten der Ostküste. Nicht aber die dahinter liegenden Gebiete. Zwar konnte die Krone Staaten am Mississippi (Illinois, Wisconsin, Tennessee, Arkansas, Mississippi, Ost-Louisiana) nach dem 7jährigen Krieg gegen die Franzosen noch erwerben oder besetzen. Jedoch nur für wenige Jahre. Diese Staaten gingen an die neugegründete USA über. Somit konnte England seine englische Gesellschaft nur an der Ostküste dauerhaft bis heute etablieren. Das heisst, dass England an der Entwicklung des R’n’B weitgehend unbeteiligt war; ausser durch die Migrationszwänge in Südlouisiana, welche London durch sein globales Kolonialgebaren verursacht hatte.

 

Abgekoppelt vom globalen Geschäft

Nachdem jedoch Rock’n’Roll in den USA zur massentauglichen Ware geworden war, applizierte England die verrückte Musik blitzschnell. Zuerst mit der Beat-Musik. Beatles. Rolling Stones. John Mayall. Eric Clapton. The Who. Led Zeppelin. Den Rest kennen wir. England mit seinem Geschäftssinn für forcierte globale Strategien riss dem beschaulichen und kulturell autarken Süden der USA die neue Musik förmlich aus den Händen und machte sie zum globalen Industrieprodukt. Marke England. «We are the Champions!». 95 Prozent aller Musik, die wir auf Radio Energy und SRF hören, gehört den drei Musikkonzernen Universal Music, Sony Music und Warner Bros. Diese drei global ausgerichteten Geldmaschinen ticken nach dem Lehrbuch der englisch geprägten «Harvard University» oder «London School of Economics». Die drei Konzerne haben ihre Entscheidungszentren in Los Angels, New York und London. Der Süden, etwa Louisiana, Texas oder Mississippi, lebt abgekoppelt vom globalen Geschäft. Abgekoppelt auch von der medialen Wahrnehmung in Europa.

 

Abgekoppelt vom globalen Geschäft

So kam es auch, dass zwar der akademisierte Jazz, katalisiert die öffentlich rechtlichen Big Bands. Aber Blues? Den beliess man als primitive Musik den Südstaaten. So kommt es, dass bis 1980 allein Englands Blues-Interpreten John Mayall, Eric Clapton und die Rolling Stones mehr Blues in die Schweiz brachten als alle Bluespioniere der USA im Total. Als man das in der Schweiz merkte, vergingen zwar ein paar Jahre. Aber dann kamen plötzlich die Bluesfestivals. Bellinzona startete 1989, Luzern 1994, Basel 1998, Baden 2003. Diese Festivals haben sich in kurzer Zeit ihren festen Platz im regionalen Veranstaltungskalender gesichert. 

 

Es gibt Hoffnung

Mittlerweile gibt es zusätzliche Hoffnung für die Wiege des Rock’n’Roll. Die Reise dorthin ist nämlich günstig wie nie zuvor. Das Ticket Zürich - New Orleans kostet noch 700 Franken. Im Internet kann man die Reise mittlerweile planen. Man kann ausrechnen: Mit dem Mietwagen ist man in einer Stunde in Baton Rouge, wo John Fogerty gelebt hat, in zwei Stunden auf den Bayous der Cajuns, in vier Stunden bei Port Arthur, am Geburtsort von Janis Joplin, in vier Stunden in Clarksdale, wo John Lee Hooker, Sam Cook und Muddy Waters waren, in fünf Stunden ist man bereits in Houston (TX) oder in Memphis.

Schweizer Blues-Preis für Luzerner Band

21/04/2016

Die Bluesrock-Band «Cattlefood» aus Luzern gewann den SWISS BLUES AWARD 2016.

Die Jury des SWISS BLUES AWARD (Beilage) hat getagt und unter fünf Finalisten folgende drei Gewinner auserkoren:

 

1. Platz: CATTLEFOOD, Luzern, Dominic HirschiPreis: Auftritt am 18th Blues Festival Basel, 4. – 9. April 2017

2. Platz: R. MAJOR’S POWER BLUES BAND Biel-Benken BL, Roman MeierPreis: Auftritt am Summerblues Basel 2017

3. Platz: DOEGZ – TRUE TUBE BOOGIE Hessigkofen SO, Philipp „bluedög“ GerberPreis: Auftritt am Jazzweekend Reinach BL 2017.

 

Cattlefood: Inspiriert von Rory Gallagher oder Johnny Lang

«Hammond- und gitarrenlastiger Old-School-Blues-Rock-Hammer-Sound» - mit diesen Worten umschreibt die Bluesrock-Band «Cattlefood» aus Luzern die von ihr gespielte Musik. Damit ist eigentlich schon fast alles gesagt. Inspiriert von Bluesrock-Gitarristen wie der legendäre Rory Gallagher oder der Gitarren-Crack Jonny Lang spielt die Band unkomplizierten, handfesten Bluesrock, der in die Beine geht und gute Stimmung macht. Dabei kann Cattlefood auf erfahrene Musiker zurückgreifen wie den Sänger und Keyboarder Martin Loeffel, der schon in der Black Mountain Blues Band die Tasten gedrückt hat. Oder auf Dominic Hirschi, der mal mit seiner Gitarre dem Supercharge-Saxophonisten Albie Donnelly den Rücken gestärkt hat. Der Bassist Claudio Duso und der Schlagzeuger Kurt Roos runden die Combo ab. (pd).

Die Finalisten für den 6. Swiss Blues Challenge

21/04/2016

SWISS BLUES LIFETIME ACHIEVMENT AWARD

17 Bands haben sich für die Teilnahme an der Swiss Blues Challenge beworben.
25 Jurymitglieder aus der ganzen Schweiz haben sich die Probetitel der Kandidaten angehört und die vier Finalisten gewählt, die am 1. Juli 2016 im Rahmen des Summerblues Festivals in Basel auftreten werden, um sich das Ticket für die European Blues Challenge im kommenden Jahr zu holen. Dies sind die Finalisten: Chubby Buddy, Biscuit Jack, Pascal Geiser, Fridolins Heritage.

„Im Duo bin ich nicht immer der Goalie“

26/03/2016

Porträt des Musikers Enrico Lenzin

Enrico Lenzin aus dem St. Galler Rheintal ist gleich in mehrerer Hinsicht ein Musiker der besonderen Art: Der Perkussionist und Klangkünstler tritt bei „Die grössten Schweizer Talente“ auf, spielt mit seinem Bruder Peter im Jazz-Duo und gehört zu den wenigen Hang-Musikern hierzulande.

 

Fabrice Müller, Redaktor

 

Früher hat Enrico Lenzin Fussball gespielt. Meist stand er im Tor. Da sei typisch für Schlagzeuger, meint der Musiker aus Rebstein im St. Galler Rheintal schmunzelnd. „Ich habe mal gehört, dass viele Schlagzeuger, die früher Fussball gespielt haben, im Tor gestanden sind und im Hintergrund wirkten.“ Es liegt in der Natur der Sache, dass der Schlagzeuger normalerweise aus dem Hintergrund den Rhythmus vorgibt, sich aber nicht vordrängt oder gar im Mittelpunkt stehen will. Da sei grundsätzlich auch bei ihm so, sagt Enrico Lenzin. „Ich bin kein Stürmer. Und das ist als Schlagzeuger in einer Band oft das Problem: Man ist auf die anderen Musiker angewiesen, um musikalisch etwas auf die Beine stellen zu können.“ Der Musiker beschloss deshalb, eigene Wege zu gehen und sich von dieser Abhängigkeit zu lösen.

 

Vielseitiges Spektrum

Als Solokünstler setzt Enrico Lenzin auf verschiedenste Klangkörper und Schlaginstrumente. Auf seiner ersten Solo-CD präsentiert er das ganze Spektrum seines bemerkenswerten Könnens. Sei es das virtuose Spiel am klassischen Schlagzeug-Set, ausgefallene Rhythmuskaskaden an der Perkussion oder atemberaubende Trommelwirbelstürme. Und wenn man denkt, das alles geht auf keine Kuhhaut, setzt er noch einen drauf, schnappt sich eine Kuhglocke, aktiviert sein Loop-Gerät, bläst ins Alphorn, lässt das Talerbecken kreisen, scratcht auf dem Alphornhals einen Beat und kombiniert das Ganze mit Stepptanz. Enrico Lenzin schafft es dabei, seinen Hang zu ausgefallenen Klang-Experimenten mit einer Mischung aus spielerischem Humor und wohltuender Ernsthaftigkeit zu verbinden. So entführt er den Zuhörer während seiner Stücke mal zur Berliner Loveparade, mal in die Altstädter Fasnacht und immer wieder in die mystische Welt des Hang.

Hang als Türöffner in eine neue Welt

Vor sechs Jahren stiess er auf dieses ungewöhnliche Instrument, das von Felix Rohner und Sabina Schärer aus Bern erfunden wurde und dort heute noch produziert. Dieses meditative Instrument und Enrico Lenzins gefühl- und lustvolles Spiel runden seine Auftritte ab. „Das Hang ist das einzige Schlaginstrument, mit dem ich auch Tonfolgen spielen kann. Als Schlagzeuger hat sich dadurch für mich eine neue Welt aufgetan“, schwärmt der Musiker, der auch als „Hansdampf an allen Klangkörpern“ bezeichnet wird. Den Klang am Hang beschreibt er als erdig, bodenständig, ja sogar magisch. Er zieht die Leute in den Bann, fasziniert. Die Fingerfertigkeit als Schlagzeuger komme ihm auf dem Hang entgegen. Schwer zu spielen sei es nicht, meint Enrico Lenzin. „Man kann auf dem Hang im Grunde genommen keine falschen Töne spielen. Das, was man spielt, stimmt immer.“ Noch treffe man das Instrument selten unter Musikern an. Wahrscheinlich auch deshalb, weil es schwer und zum Teil teuer ist, ein Original Hang zu erwerben. Enrico Lenzins Hang stammt von einem Hangbauer aus Berlin.
 

Improvisation und Technik

Die Faszination für Musik begleite den Musiker schon von Kindesbeinen auf. „Schon als Kind trommelte ich auf allem herum und nervte meine Eltern dadurch“, erinnert sich Enrico Lenzin. Als Profimusiker probiert er gerne Neues aus, experimentiert, was zusammen passt, und lässt sich von seiner Intuition leiten. Oft sind es auch innere Bilder, die ihn zu neuen Rhythmen und Klängen inspirieren. Die Fasnacht zum Beispiel, so heisst ein Stück auf seiner Solo-CD, stand mit ihren wilden Klängen Pate. Kein Problem für Enrico Lenzin, der ja selber als Schlagzeuger in einer Guggenmusik spielt. Manchmal inspiriert ihn aber auch ein Spaziergang durch den Wald. Und dann lässt er in seiner Musik das Rauschen der Bäume oder gar Gnome auftreten. Stilistisch hat Enrico Lenzin mit Rock und Funk begonnen. Dann stand der Jazz im Mittelpunkt. „Aber nicht so, wie man ihn an den Jazzschulen lernt“, meint der Musiker, der selber an Musikhochschulen in Wien und Luzern studierte. Er liebt die Improvisation und sagt: „Ich spiele so, wie ich bin.“ Das setze jedoch voraus, sich zu öffnen und auf den Weg zu machen zu selber. Gleichzeitig ist Enrico Lenzin aber auch die Technik sehr wichtig. Beides, also das Gefühl und die Technik, möchte er miteinander verbinden. 

Brüderliches Duo

Seit über 20 Jahren musiziert Enrico Lenzin mit seinem Bruder Peter als Saxophonist im Duo sowie auch in grösseren Formationen. „Wir verfügen beide über ein grosses Repertoire und können uns auf der Bühne blind vertrauen. Das ist ein grosses Geschenk.“ Das brüderliche Duo harmonisiere bestens, auch wenn Peter und Enrico Lenzin unterschiedliche Charakteren sind. „Im Duo bin ich nicht immer der Goalie, sondern auch mal der Stürmer“, sagt Enrico Lenzin. Derzeit bereitet er sich auf seinen Auftritt für die TV-Show „Die grössten Schweizer Talente“ vor. Einmal im Monat treten Peter und Enrico Lenzin im Restaurant Frauenhof in Altstätten SG auf, wo sie als Duo mit wechselnden Gastmusikern spielen. Enrico Lenzin unterrichtet ausserdem an der Musikschule Appenzell und gibt Kurse an Schulen wie auch für Menschen mit einer Behinderung im Auftrag von Pro Infirmis. Und schliesslich engagiert er sich für das Projekt Klangwelt Toggenburg.

Acht Geheimnisse des Mississippi

22/03/2016

Auf den Spuren von Blues, Rock, Pop und Co. (2. Teil)

Die Entstehung des 1/8-Beats kennen nur wenige. Das kollektive Unwissen wird von den meisten Rock- und Popbands verdrängt. Wir blicken mit Willy Surbeck hinter die acht Betriebsgeheimnisse des Blues.

 

Willy Surbeck

 

Acht Eckpunkte der R’n’B-Musik sind in Europa praktisch unbekannt. Es sind acht Betriebsgeheimnisse sozusagen. Zum Vorteil derer, die diese Geheimnisse kennen; einer von ihnen ist zum Beispiel Polo Hofer. Zum Nachteil derer, die sie nicht kennen: Also 90 Prozent der Schweizer Bands.

 

1) Provinzialität: Rock’n’Roll entstand nicht als Trend «in Amerika». Es waren einzig zwei schmale Landstreifen im Süden der USA entlang der Strasse von New Orleans nach Memphis sowie von New Orleans westwärts ins texanische Houston. Insgesamt auf kaum 1,5 Prozent der Fläche Nordamerikas mit wenigen Städten und Dörfern. Der durchgeschlagene 1/8-Rock’n’Roll-Beat stammt, katalysiert vom schwarzen Temperament, hauptsächlich von weissen Nachfahren der Franzosen. Sie schlugen den 1/8-Beat im Triangel. Ihre 12’000 Vorfahren flüchteten 1758 aus Kanada vor den Musketen der Engländer nach South-Louisana. Somit sind Fragen nach Authentizität und Erdung des R’n’B adressierbar. Es gibt noch wenige Erlebniszeugen mit Telefonnummer. Man kann heute noch hingehen, ihre Geschichten hören, den Diskurs führen - und aufzeichnen. Jedoch sterben die Betroffenen reihenweise weg und hinterlassen wenig Geschriebenes.  



2) Augenhöhe und unfreiwillige Auseinandersetzung mit fremden Ethnien: Der Rock’n’Roll entsprang einer teils genetisch und mindestens mental gemischten Gesellschaft ohne Engländer. Es waren Franzosen, Iren, Schwarz-Afrikaner, Indianer, Kreolen, Caribbeans, Spanier. Darunter auch Deutsche und Schweizer Diese multikulturelle Gesellschaft einte auf Augenhöhe die Schicksalsgemeinschaft von Ausgestossenen, Deportierten, Geflüchteten und Geknechteten. Die Devise lautete: gemeinsam leben oder verhungern. Die wirtschaftliche Wertschöpfung wurde gemeinsam erzielt. In Louisana gab es 1950 keine staatlich finanzierten Ghettos. Deshalb haben sich französische Cajun- und Militärmusik, Blues, spanischer Gesang, Salsa, Rumba, Reggae, Irische Fiddle, Irischer Bluegrass, deutsches Akkordeon, Polnische Dobro usw. zu etwas verschmolzen, das mit seinen Ausläufern zum globalen Soundtrack geworden ist. 
 

3) Pub statt Übungskeller: In der unteren Mississippi-Region haben die Häuser keine Keller. Es herrscht(e) traditionell Überschwemmungsgefahr. Musikkarrieren begannen somit nicht geschützt im Übungskeller, sondern vor der Hütte auf dem Bänklein neben dem Hauseingang an der Strasse. Also öffentlich. Wenn die Passanten stehenblieben, war man gut. Also ging es in den Pub, wo man erst gratis, dann für einen Dollar pro Abend spielte, dann an die Saturday-Night-Parties für zwei Dollars. Ein Burger mit Coke kostete 50 Cents. Die Tops durften dann ab und zu in die Städte New Orleans, Memphis, Baton Rouge, Lafayette, Houston. Bereits Anfänger waren sofort dem Qualitätsdruck der Öffentlichkeit ausgesetzt. 

4) Tanzen: Eine Band muss die Frauen zum Tanzen animieren. Dann blieben die Männer. In der Folge wird länger konsumiert, und der Wirt liest am Ende des Abends an der Einnahmen ab, ob die Band gut war. Qualitätskriterium einer Band waren somit nicht das geile Gitarrensolo oder die Virtuosität der Stimme des Sängers, sondern die Animationskraft der Band, die Leute zum Tanzen zu bringen.
 

5) Füsse vor Kopf: Innere Impulsgebung erfolgt in Louisiana über Boden, Füsse, Beine, Gesäss, Körper, Brust, Arme, Kopf. In Europa, im englisch- und vor allem im germanisch geprägten Kulturraum, ist es exakt umgekehrt. 

 

6) Pauke ankert die Band: Die akustische Impulsgebung der Band erfolgt über die Pauke. Pauke ist das wichtigste Instrument. Die Hauptenergie des Drummers sublimiert sich in der Pauke (Fuss). Snare, High-hat und Becken (Hände) folgen. In Europa ist es, ausser bei der Brass-Musik, umgekehrt.

 

7) Mit den Ohren sehen: Der Glaube, dass es unsichtbare Welten gibt, ist in der Bevölkerung in Süd-Louisiana tief verwurzelt. Somit gibt es eine Art flächendeckenden Respekt vor Spiritualität. Traditionelle Baptisten, Geistergläubige Indianer, Katholiken, Vodoo-Spiritualisten, Charismatiker - die Musik ist für alle die Brücke zur Spiritualität. Somit ist die Musik nicht nur Zerstreuung und physikalisches Klangdiagramm, sondern Schwelle zur Übersinnlichen Sphäre. Folglich hören Musiker genauer, aufmerksamer und länger hin und versenken sich im Zustand des Erlebens. Dort suchen sie Energiezugänge, die im Alltag rational begründeter Arbeitskultur verschüttet sind.    
 

8) "Play only, what the song deserves": Arrangements folgen nicht dem Willen und den Möglichkeiten der Musiker, sondern der Aussage des Songs. Die Aussage des Songs diktiert einzig der Bandleader, Komponist oder Entertainer vorne auf der Bühne. Im Vordergrund stehen Aussage und Spirit des Songs. Musik machen heisst, dieses zu unterstreichen und zur Geltung zu bringen. Der Wert des Sounds wird daran gemessen, ob er den Spirit des Songs spürbar macht.

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