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«Ich singe mir meine Gedanken und Gefühle vom Leib»

Patrick Lämmle – Seit vielen Jahren steht der Zürcher Bluesmusiker mit seiner Band «BLUESchargers» im In- und Ausland auf den Bühnen. Der Sänger und Gitarrist hat sich mit seinen ehrlichen, schnörkellosen Songs und oft tiefschürfenden Texten einen Namen gemacht. Bald steht ein neues Album vor der Tür. Am Freitag, 7. Juni, spielt die Band im Kinotheater Madlen in Heerbrugg.

29. Mai 2024

Die Kommunikation mit dem Publikum ist ihm wichtig. «Auf der Bühne erzähle ich dem Publikum, was es mit dem nächsten Song auf sich hat, welche Aussage oder Geschichte dahintersteckt», sagt Patrick Lämmle. «Die Leute lieben das», ist der Bandleader, Gitarrist und Komponist überzeugt. Denn das, was er auf der Bühne zum Ausdruck bringe, komme direkt aus dem Herzen. So wie der Blues, der für ihn ein Sprachrohr des Herzens und der Seele sei. «Meine Songs sind immer auch ein Seelenstriptease. Ich singe mir meine Gedanken und Gefühle vom Leib.» In seinen Texten erzählt Patrick Lämmle oft von alltäglichen Geschichten – von Herzschmerz, Sorgen und Freuden, von Träumen und Niederlagen.

Liebe und Philosophie

Im Stück «Mi Corazon» etwa beschreibt er eine leidenschaftliche Begegnung mit einer fremden Frau. Sie tanzten bis spät in die Nacht hinein. Am nächsten Morgen dann die Überraschung:

Next morning, I found my love had gone
She just left me a note and it read you know you’re the one
I dearly love you, but this love can’t go on
Go back home Gringo Tu romperas mi Corazon

Manchmal wagt sich der Musiker aber auch an philosophische Themen. «Man muss sich bewusst sein, dass jede Handlung im Leben stets eine Gegenreaktion zur Folge oder eben einen Preis hat.» Zum Ausdruck bringt Patrick Lämmle diese Erkenntnis im Stück «Whatever you do»:

Whatever you do comes with a price
Some play it mean and some play it nice,
But when the time comes, everyone's gotta pay,
For what you keep and what you give away.

Wie eine Geburt

Jeder neue Song sei wie eine Geburt, schildert Patrick Lämmle den Entstehungsprozess seiner Musik. «Bis ein Lied geboren ist, durchlebe ich eine Phase von Stress und Schmerz. Nachdem er mich manchmal tagelang geplagt hat, ist der Song irgendwann da. Sei es als Melodie, als «Punchline», oder ich habe eine Textidee mit verschiedenen Fragmenten, die ich dann mit der Melodie zusammenfüge.» Grossen Wert legt der Komponist auf einen gewissen Witz und auf die Wort-Rhythmik. Inspirieren lässt sich Patrick Lämmle von den Freuden und Leiden des Alltags. Bei einem Konzert in Dallas kam ihm die Idee zum Song «Hit the Road» mit dem Refrain «Everything I did seams to turn wrong». – «Alles ist möglich», fügt der Musiker lakonisch hinzu. Und voller Bescheidenheit meint er: «Als Bluesmusiker gehöre ich zum gesunden Mittelmass.»

Blues im Blut

Patrick Lämmle fühlt sich eng mit dem Blues verbunden, auch wenn er als Quereinsteiger erst mit 30 so richtig vom Blues-Virus infiziert wurde. Das Gitarrenspiel brachte er sich jedoch bereits mit 12 Jahren selber bei. Auf einer Stratocaster-Kopie und mit einem alten Röhrenradio als Verstärker. Es folgten erste Erfahrungen mit Schülerbands. Dann rückte die Musik zugunsten der Ausbildung und beruflichen Karriere für einige Jahre in den Hintergrund. Von einem grossen Aha-Erlebnis spricht Patrick Lämmle, als er mit 30 eine richtige «Fender» in der Hand hielt. «Time was right! Ich war nun reif, diese Musik selbst zu spielen», erzählt Patrick Lämmle. Nach Einsätzen in zwei Bluesbands gründete er 2012 seine eigene Formation – die «BLUESchargers». Dafür holte er den Bassisten Billy Wirz, den Keyboarder Christian «Chrigi» Roffler und den Schlagzeuger Hani Ali ins Bluesboot. «Ich kann nicht anders, als den Blues zu spielen. Er war schon immer in mir drin», sagt Patrick Lämmle und schwärmt von Blueshelden wie B.B. King, Johnny Winter oder Peter Green. Von Vorbildern im klassischen Sinn will er jedoch nicht sprechen. «Dafür bin ich zu alt», meint der nun seit vier Monaten Pensionierte, «ich will meinen eigenen Weg gehen.»

Über den Tellerrand des Blues hinausblicken

Die Band von Patrick Lämmle steht für spürbare Spielfreude, viele Eigenkompositionen, ausgesuchte Coversongs und eine hohe technische Fertigkeit. Schnörkelfrei und ehrlich schicken die vier Musiker ihre Songs in den Äther. Im Frühjahr 2022 ist die dritte CD «Prisoner of the Blues» erschienen. Auf diesem Album werden die Grenzen des Blues ausgereizt und für eingefleischte Blueser vielleicht sogar überschritten. «Jeder traditionelle Blues-Purist würde mich deshalb wahrscheinlich ohrfeigen», meint Patrick Lämmle mit einem Augenzwinkern, als er auf das Ausreizen der Bluesgrenzen angesprochen wird. «Wir pflegen bewusst keinen traditionellen Blues, sondern nehmen uns die Freiheit, andere Akkorde und Melodieführungen zu spielen. Ich will über den Tellerrand des traditionellen Blues hinausblicken, obwohl mir dieser Stil natürlich auch sehr nahesteht.» Deshalb habe er im aktuellen Album auch drei Stücke im klassischen 1-4-5-Bluesschema geschrieben. Den Vergleich mit anderen Bluesbands scheut er nicht: «Wir müssen uns vor keiner US-Bluesband verstecken.»

Zwei neue Alben geplant

Voller Tatendrang arbeiten Patrick Lämmle und seine Mitmusiker derzeit an einem neuen Album. Veröffentlicht werden die Live-Auftritte vom vergangenen Januar im Atlantis in Basel, auch wenn die Spielbedingungen alles andere als optimal waren: «Die Heizung funktionierte nicht, die Saiten waren eiskalt. Ausserdem hatten wir mit dem PA technische Probleme», erzählt Patrick Lämmle. Trotzdem sei es ein tolles Konzert gewesen. Nächstes Jahr möchte der Musiker ein weiteres Album mit 12 neuen Songs herausbringen. Das Werk soll den Namen «Master of the Blues» tragen. Mehr wird noch nicht verraten. Als Patrick Lämmle auf seine Wünsche und Pläne angesprochen wird, überlegt er kurz und sagt dann schmunzelnd: «Ich will einfach Spass an der Musik haben. Wenn sie auch anderen Menschen gefällt, bin ich umso glücklicher.» Eine Zukunft ohne den Blues könne er sich nicht vorstellen. Sein Song «Prisoner of the Blues» bringt es auf den Punkt:

Ain’t got a name, just got a number
All my freedom I did lose
Cause in my cell, can’t look yonder
Yeah I’m a prisoner of the Blues.

https://www.blueschargers.ch

->Infos und Tickets zum Konzert vom 7. Juni im Kinotheater Madlen in Heerbrugg:
https://www.kinomadlen.ch/buehne/programm_detail.php?id=2255

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